Warum beschweren sich so viele Menschen über eine mangelnde Kommunikation im Unternehmen?

Viele Mitarbeiter überdecken mit ihrem Wunsch nach mehr Kommunikation ihr Misstrauen gegenüber unvermeidlichen Weichenstellungen einer Unternehmensentwicklung. Sie sprechen ihre Angst vor Neuem nicht aus, um eine vermeintlich weiße Weste zu behalten. Zugängliches Top-Management und klar umrissene Projekte sind Möglichkeiten diesen Teufelskreis zugunsten einer beteiligenden Aufbruchsstimmung zu durchbrechen.

Regelmäßig fordern Mitarbeiter in vielen Unternehmen einen intensiveren, direkteren und präziseren Austausch mit ihrem Management. Regelmäßig merken sie an, dass es am unmittelbaren Gespräch mangelt. Ebenso regelmäßig beklagen sie eine zunehmende Arbeitsbelastung. Gesetzt der Fall, weitere Kommunikationskanäle werden angeboten, weitere Gesprächsrunden werden angesetzt, stellt sich oft heraus, dass sich am Zustand nichts ändert – außer eventuell, dass nun ein zu viel an Meetings beklagt wird.

Die Auswertung einer wachsenden Zahl von Austauschen im Synthetron-Real-time-Verfahren zeigt, dass Misstrauen oft Kern des Problems ist. Umgekehrt gesagt: Häufig fehlt es am gegenseitigen Verstehen und vor allem an gegenseitig verstandenen Handlungsspielräumen. Die Dinge erscheinen zu groß, zu komplex und zu sehr miteinander verzahnt, als dass man dem Gegenüber traut, Aufgaben klar auf den Punkt zu bringen. In der besten aller Welten, in der man sich vertraut, ist im Grundsatz überholt, sich fortlaufend Rückendeckung zu holen, sich in Details abzustimmen. In dieser Welt dominiert Selbstverantwortung im Kontext handlungsleitender Spielregeln. Vertrauen erzeugt Neugier und gegenseitiges Befruchten. Doch die Realität weicht davon allzu oft und deutlich ab.

Gesetzt den Fall, es wird in einer anonym unter Gleichen geführten Echtzeit-Diskussion – also schriftlich, um sich ausschließlich auf Inhalte zu konzentrieren – gefragt „Vertrauen Sie Ihrem Chef?“, gefolgt von der Frage „Was müsste geschehen, dass Sie ihm vollauf vertrauen können?“. Meist kommen dann die drei „Mehr-Muster“ – mehr kommunizieren, mehr zuhören, mehr zulassen. Dreht man den Spieß um und fragt „Was können Sie tun, um vertrauensvoller mit Ihrem Chef zusammen zu arbeiten?“, dann liegt der Tenor weniger auf einem vermehrten Austausch als vielmehr auf dem Vermeiden von Fehlern. Wir nennen dies das „Weiße-Weste-Syndrom“. Zugespitzt steckt Angst dahinter.

Unternehmensführer, die sich dieses Muster aus latentem Misstrauen und einem Grundrauschen an Angst vor Augen führen und zugleich erkennen lassen, wie viel Unsicherheit sie bei eigenen Entscheidungen aushalten, machen sich im besten Sinne des Wortes „zugänglich“. Das ist weit mehr als authentisch zu kommunizieren. Es heißt, qua Persönlichkeit („intrinsisch“) Aufbruchsstimmung für ein gemeinsames Handeln zu vermitteln. Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass dies am besten durch die Vorgabe schneller, kleiner Projekte gelingt. Vor allem dort findet fortlaufend, gemeinsam und vertrauensbildend ein lernendes Verbessern statt. Wo dies fehlt, sollte man mutig den Mund aufmachen.